Vorbereitung

 

Am 15.04.2019 haben wir unsere Schiffsreise von Hamburg nach Montevideo in Uruguay bei SeaBridge gebucht. 

Unser Schiff, die "Grande Francia", soll am 15.08.2019 in Hamburg auslaufen.

Durch den Untergang der Grande America gab es wöchentlich neue Horrormeldungen zu den Verschiffungs- Bedingungen, z.B. alle Fahrzeuge müssen leer sein, nur Bordwerkzeug und Ersatzrad ist zum Mitnehmen erlaubt.  Zeitweise dachten wir schon über eine Stornierung nach. SeaBridge gab Entwarnung: Wohnmobile dürfen wie bisher mit Bekleidung, Küchengeschirr etc. bestückt sein, nur blickleer ist die neue Sichtweise der Reederei. Allerding Gas- Flaschen und Tanks dürfen nur mit, wenn sie vorher von einem zertifizierten Betrieb gereinigt und gespült wurden. Die Reinigung muss durch Vorlage einer entsprechenden Bescheinigung nachgewiesen werden. Da wir Gas nur zum Kochen benötigen, werden wir keine Gasflaschen mitnehmen.

 

Grand Francia - Rufzeichen IBCB

Heimathafen: Palermo, Italien

Schiffstyp: Ro-Ro Carcarrier

Länge: 214 m

Breite: 32,25 m

Tiefgang: 9,70 m

Gewicht: 56.738 BRT

Leistung: 24.854 PS

Bohrung Zylinder: 620 mm

Kolben-Hub 2150 mm

Schrauben-(Propeller)-Durchmesser: 6600 mm

Geschwindigkeit: 21 kn

Passagiere: 12 Personen

Besatzung 27 Personen

Ladevolumen: 4650 PKW, 3300 Trailer, 700 Container


 

 

 

Samstag 17.08.2019

Um 10 Uhr starten wir zu unserer großen Reise „Panamericana“.

Von unseren Nachbarn wurden wir mit Winken und guten Wünschen Richtung Hamburg verabschiedet. 

 

Da wir keine Gasflaschen mit an Bord nehmen dürfen und somit auch keinen Kaffee kochen können, fahren wir in Hamburg mit der S-Bahn zu den Landungsbrücken. Der Tipp in der Dietmar-Koel-Straße, im portugiesischen Viertel, zu frühstücken, war gut. Nach dem Frühstück machen wir einen ausgedehnten Hafenspaziergang, besuchen die Elbphilharmonie und am Hamburger-Michel verabschiedet man uns mit lateinamerikanischen Klängen.

Am nächsten Morgen Start zum Überseehafen Schuppen 48, wo die Grande Francia angelegt hat. Ohne Probleme kommen wir an Bord, die angekündigten strengen Kontrollen finden nicht statt. Weder Gasflaschen, andere brennbare Flüssigkeiten (Motoröl, Fett, Rostlöser-Spray) oder Lebensmittel wurden kontrolliert, ganz zu schweigen von Gewichtskontrolle oder Fahrzeugmaßen. Keinen interessieren unsere Fahrzeuge, weder von innen noch von außen.

Es ist unglaublich, wie schnell wir uns an das Bordleben gewöhnen. Die erste Woche verging wie im „Flug“. Frühstück, Mittagessen und Abendessen gibt es zu festen Zeiten. Wir loben unseren Koch Rocco, ein Italiener und ein toller Koch. Das Essen ist für alle ein Genuss. Alle, das sind drei Schweizer Paare und eine französische Familie mit zwei Jungs. Wir lernen spanische Vokabeln, sitzen an Deck, lesen und haben sogar schon 2 Wale und mehrere Delphine gesehen. In Dakar nutzen wir einen Tag für einen Ausflug auf die ehemalige Sklaven-Insel Gorée, ca. 2 km vor der Hafen Einfahrt Dakar. Da Regenzeit im Senegal ist, werden wir auf unserem Inselrundgang auch richtig nass.

 

Am 04.09.2019 um 15:48 Uhr haben wir bei Längengrad 28° 28.113‘, ca. 500 km vor der brasilianischen Küste, den Äquator überquert.

Der erste von 5 Häfen, die wir in Brasilien anlaufen, ist Suape.

 

Der 07. September ist Nationalfeiertag in Brasilien, arbeitsfrei. Deshalb können wir nicht in den Hafen Vitoria einlaufen. Für unser Ausharren am Bord wurden wir mit einer grandiosen Wal-Show belohnt. Vielleicht 100 oder auch mehr Wale tummelten sich in unmittelbarer Nähe zu unserem Schiff. Zum Abend wurden sie immer ausgelassener und sprangen mit Drehung aus dem Wasser und landeten mit einer Riesenwelle wieder im Meer. Dieses Spektakel faszinierte alle an Bord. Mit Kameras und Handys wurde versucht, einen Schnappschuss zu ergattern, was aber alles andere als einfach war.

 

10.09.2019 - ausgerechnet in Rio de Janeiro liegen wir nur für 7 Stunden im Hafen. Keine Zeit für die vielen Sehenswürdigkeiten, nur ein Foto der Christusstatue auf dem Corrovado war möglich.

 

Die nächsten Häfen in Brasilien sind Santos und Paranagua, hier war es schon deutlich kühler, wir sind bereits ca. 3000 km südlich des Äquators.

 

18.09. Zarate, Argentinien: der Hafen liegt ca. 50 km flussaufwärts des Rio Paraná. Eine interessante Flussfahrt.

 

Nach 33 Tagen an Bord der Grande Francia stehen wir am 21.09.2019 um 9:00 Uhr mit unserem Dicken in Südamerika, Montevideo in Uruguay.

Nachdem wir in Montevideo beim Zoll gescannt wurden und bei der „Migracion“ unsere Visa für 90 Tage erhalten haben, müssen wir eine Gasflasche beschaffen. Auf dem Weg zum Leuchtturm (Faro) werden wir an einer Tankstelle fündig. Wir, das sind alle Passagiere des Schiffes, verbringen hier 3 Nächte und sehen uns Montevideo, die Hauptstadt von Uruguay an.

 Eine Altstadt mit vielen interessanten Gebäuden aus der Kolonialzeit, ganz besonders beeindruckend das Gebäude am Plaza Independencia, der Unabhängigkeitsplatz. Wir schlendern durch die Gassen bis zum Hafen. Besonders schön ist der Mercado del Puerto, eine Markthalle von 1868, in der heute zahlreiche Restaurants frisch gegrillten Fisch, Fleisch und Empanadas servieren.

27.09.2019 -  Colonia del Sacramento ist die älteste Stadt in Uruguay. Ursprünglich entstanden ca.1680.  Die sehr schöne Altstadt wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Es ist erst Frühlingsanfang und am Morgen ist es noch recht frisch, doch nach Mittag können wir unser Eis in der warmen Sonne genießen. Wir besteigen den Leuchtturm (Faro) aus den Gründungsjahren, schlendern durch die Kopfsteinpflasterstraßen mit den vielen Gebäuden aus der Kolonialzeit.

Wir fahren in Uruguay an der Atlantikküste nach Norden. In Chuy überqueren wir die Grenze nach Brasilien. Chuy eine Stadt, die in der Mitte der Straße durch die Grenze in einen uruguayischen Teil und einen brasilianischen Teil getrennt wird. Wir fahren durch eine Schwemmlandschaft und sehen eine Tierwelt, die hier gut leben kann.

10.10.2019 - In Uniao da Victoria und beschließen spontan eine Tour abseits der Straßen am nächsten Tag in Angriff zu nehmen. Die Natur um uns herum ist einfach zu interessant. Die Fahrt wird tatsächlich zum Abenteuer, die Fotos zeigen nur Auszüge. Eine Fahrt wie durch eine Dschungellandschaft, inklusive Wasserfall.  Wir haben einige Holzfäller getroffen, die uns ungläubig bestaunt haben.

12.10.2019 - Foz do Iguazu, Brasilien 

Wir sind sehr früh aufgestanden, um dem Massentourismus an den Wasserfällen halbwegs zu entkommen. Mit dem ersten Bus sind wir zu den Iguazu-Wasserfällen, Weltnaturerbe und eines der spektakulärsten Naturschauspiele des Südamerikanischen Kontinentes gefahren. Da die meisten der 275 Wasserfälle in Argentinien liegen, ist der größere Panoramablick von der brasilianischen Seite aus möglich. Auf einer Breite von 2,7 Kilometer stürzen hier die Wasserfälle bis zu 82 Meter in die Tiefe. Zurzeit führt der Fluss recht wenig Wasser. Wir können uns an den stürzenden Wassermassen gar nicht satt sehen. Die Temperatur 39 ° und die Menschenmassen treiben uns am Mittag zurück zum Campingplatz mit Swimmingpool.

 

15.10.2019 - Puerto Iguazu, Argentinien 

Die Iguazu Wasserfälle gehören zu den 7 Naturwundern der Welt. 

Heute haben wir die argentinische Seite der Wasserfälle besucht. Hier ist der Naturpark viel weitläufiger, man kann über Stege direkt über die Wasserfälle gehen und in den Garganta de Diablo (Hals des Teufels) sehen, allerdings wird man von der Gischt ganz schön nass. Im Park haben wir auf einem Schild gelesen, dass 1750 m³/Sekunde die normal Menge ist, die die Fälle hinab stürzen. Im Jahr 1992 waren es mehr als 39000 m³/Sekunde, unvorstellbar. Ganze Inseln und viele Stege wurden von den Wassermassen mitgenommen. 

17.10.2019 - Wasserkraftwerk Itaipu, Foz do Iguazu 

Wir wollen das Wasserkraftwerk Itaipu besichtigen. Bis 2006 der Drei-Schluchten-Staudamm in China fertiggestellt wurde, war das Wasserkraftwerk Itaipu das leistungsstärkste der Welt. Hinsichtlich der Jahresproduktion steht Itaipu auch heute noch an Nummer Eins. Das Wasserkraftwerk liegt auf der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien. Die Staumauer hat eine Länge von 7,76 km und eine Höhe von 196 m. Die 18 + 2 Turbinen haben eine Gesamtleistung von 14000 Megawatt, das entspricht etwa der Leistung von 8 – 10 Atomkraftwerken. Auch die Turbinenrohre haben mit 10,5 m Durchmesser gigantische Maße, wie auch das Turborohr, ein trichterförmiges Rohr, 17,7 m auf 8,7 m. Ein beeindruckendes Bauwerk.