03.03.2020 – Laguna Diamanté

 

Wir fahren die Ruta 40 entlang dem Rio Grande. Die Ruta 40 dient uns als Richtschnur auf dem Weg nach Norden. Hinter Malargue suchen wir einen Platz am Fluss zum Übernachten. Da es Sonntag ist, sind diese Plätze von den Einheimischen stark frequentiert. Während unseres Gesprächs machen sie uns auf Las Lenas aufmerksam, ein schöner Ort in den Bergen. Da es nicht allzu weit entfernt ist, fahren wir nach Las Lenas. Las Lenas ist ein Wintersportort, in dem sogar Weltcup-Skirennen gefahren werden. Im Sommer aber ein Geisterort mit einer tollen Bergkulisse. Wir übernachten und nehmen unsere Route am nächsten Tag wieder auf.

Von der Ruta 40 zweigt eine Piste zum Lago Diamante ab ohne irgendein Hinweisschild. 60 km Sandpiste bis zum Ranger, bei dem wir uns registrieren müssen und den Eintritt zahlen. Übernachtet wird gleich bei der Rangerstation. Am nächsten Tag nehmen wir die 43 km bis zum Lago unter die Räder. Auf einer Geröllpiste in hochalpiner Bergwelt schrauben wir uns auf 3750 hm hoch und wieder 400 hm runter zum Lago Diamante. Für die 43 Kilometer benötigen wir 3:20 Stunden, die sich gelohnt haben. Der Lago Diamante empfängt uns mit einer grandiosen Bergwelt und einem fast schon kitschig blauen Himmel. Nur 15 Kilometer Luftlinie vom Lago, direkt auf der Grenze zu Chile,  liegt der Vulkan Maipo mit einer Höhe von 5323 m über dem Meer. Seine Gesteinsmassen hat er bis nahe an den See geschleudert. Wir sehen eine vielfältige Tierwelt, Guanacos, Graugänse, Enten, Flamingos und den Graufuchs.  Wir genießen bei wolkenlosem Himmel  zwei Tage diese atemberaubende Bergkulisse. Ich muss vorsichtig sein, mit den Superlativen, sonst gehen sie mir bei dem nächsten Höhepunkt aus. Am späten Nachmittag ziehen Wolken auf, es wird windig und merklich kälter. Wir beschließen zur Rangerstation zurück zu fahren.

 

 

07.03.2020 – Uspallata

 

In Mendoza gibt es eine Mercedes-Niederlassung für LKWs. Da wir ein Problem mit unserer Kaltstarteinrichtung haben, sind wir hier genau richtig; haben wir gedacht. Leider konnten uns die „Teileaustauscher“ nicht helfen, weil unser Fahrzeug keinen Anschluss für ein Diagnosegerät hat.

Wir brauchen eine Reparaturwerkstatt, die liegt nur ein paar hundert Meter entfernt, Maximiliano Fredes, Reparación de Camiones. Nach einer Stunde war unser Problem behoben, Kontaktfehler an einem Stecker.  Nach dem Erfolg haben wir noch unser 2. Problem präsentiert, rechtes Vorderrad einseitig abgefahren. Die Spur wurde kontrolliert, ist OK. Dann ist der Stoßdämpfer defekt. Mein Einwand, die sind erst 6 Monate alt, wurde ignoriert und der Dämpfer demontiert. Das Ergebnis: Dämpfer defekt, kurzerhand wurden zwei neue Stoßdämpfer eingebaut. Nach gut zwei Stunden sind wir sehr zufrieden weiter nach Uspallata gefahren. Allerdings mussten wir vorher noch den Pass Cruz de Paramillo mit 3000 hm überwinden. Der Pass ist Pumagebiet, überall stehen Schilder mit Verhaltensregeln bei Begegnung mit dem Puma.  In Uspallata angekommen spricht uns Fabio, ein Italiener mit einer Argentinierin verheiratet, an. Er ist ganz begeistert von unserem Dicken „this is my dream“. Wir sollen in seiner Cabana-Siedlung (Ferienhaus) übernachten, den Swimmingpool können wir auch benutzen. Am Abend sitzen wir zusammen mit Fabios Familie, Judith und Roland aus der Schweiz und trinken ein oder zwei Glas Wein.  Weil es schön war sind wir noch einen Tag geblieben.

 

 

 

09.03.2020 – Aconcagua, Paso Cristo Redentor

 

Wer kennt schon den Aconcagua? Dabei hat der Berg, mit seinen 6962 m, einiges vorzuweisen, höchster Berg Argentiniens, höchster der Anden, höchster Amerikas, höchster außerhalb Asiens.

Aber der Reihe nach, auf unserem Weg zu Aconcagua kommen wir an der Puente del Inca vorbei. Eine durch Erosion entstandene Steinbrücke. Früher glaubte man, die Inkas hätten die Brücke gebaut. Hier entspringt eine schwefelhaltige, 93 Grad heiße Quelle, die den Stein rötlich-gelb und grün färbt.

Im National Park Aconcagua kann man in 3-4 Stunden auf die Confluenzia, das Basislager für die Bergsteiger, wandern. Da man von dort den Berg nicht sehen kann und auch die Zeit für die Bergsteiger nur bis Mitte März geht, haben wir uns für eine kleinere Tour entschieden. Am späten Nachmittag startete die Bergrettung mit dem Hubschrauber und drehte eine Ehrenrunde über uns hinweg.

Wir wechseln die Grenze nach Chile über den Paso Sistema Cristo Redentor 3854 m, mit dem Monument Cristo Redentor de los Andes (Christus Erlöser der Anden). Eine sechs Meter hohe Bronzestatue von 1904 für die friedliche Lösung des Grenzkonfliktes zwischen Argentinien und Chile. Ca. 80 Serpentinen (50 auf Schotterpiste) sind auf argentinischer und chilenischer Seite zu fahren um das Bergmassiv zu überwinden.

An der Grenzstelle angekommen, haben wir das erste Mal die Auswirkungen des Corona Virus in Form eines neuen Blattes, das ausgefüllt werden musste und einer Fiebermessung, erlebt

 

 

15.03.2020 – Agua Negra 4780 m höchster befahrbarer Grenzübergang Argentinien/Chile

 

Wir fahren auf der Ruta 5, der chilenischen Panamericana, nach Norden. Wir finden einen schönen Platz am Strand, doch am Morgen ist der Himmel stark bewölkt. Am Mittag, in Los Vilos, hat die Sonne die Wolken verdrängt. An einer Fischhalle wird der Fang für den Verkauf vorbereitet, die versammelten Pelikane bekommen auch etwas ab. In La Serena verlassen wir die Panamericana Richtung Paso Agua Negra. Am Stausee des Rio Elqui finden wir einen Platz direkt am Surfspot. Bevor wir weiter zum Agua Negra fahren, besuchen wir noch Pisco Elqui. Von Pisco Elqui wurde früher Traubenmost nach Norden zu den Erzminen gebracht. Da der Most bei der Wärme oft schlecht wurde, wurde er zu Haltbarmachung destilliert, der Pisco war geboren. Der Ort hieß früher La Union, weil Peru sich den Namen des Nationalgetränks „Pisco“ als Warenzeichen sichern wollte, wurde der Ort kurzerhand in Pisco Elqui umbenannt. Pisco Elqui hat zwar einen großen Parkplatz hinter der Kirche, aber leider war das Tor verschlossen, so konnten wir nur versuchen, wieder aus dem schönen, aber sehr engen Ort heraus zu kommen.

Am Paso Agua Negra wird in den nächsten Jahren ein Tunnel gebaut, die Vorbereitungen sind bereits getroffen. Die Straße ist von beiden Seiten des Passes bis kurz vor dem Tunneleingang asphaltiert, der Rest des Passes ist geschobener und gewalzter Schotter und Sand. Zur Höhenanpassung übernachten wir auf an einen See in ca. 3400 m Höhe. Die Bergkulisse ist beeindruckend, die Farben der Gesteine in der Sonne mit dem blauen Himmel sind fantastisch. Sonst beeindruckt der Agua Negra nur durch seine Höhe von 4780 m, einer der höchsten befahrbaren Gebirgspässe der Welt.

 

 

15.03.2020 -  Corona-Wahnsinn und der Weg nach Villa Belgrano

 

Da wir beim Grenzübertritt nach Chile bereits mit Coronavirus konfrontiert wurden, mussten wir befürchten, dass die Grenze nach Argentinien geschlossen ist und wir in Chile bleiben müssen. Am Agua Negra Pass hatten wir aber keine Probleme über die Grenze von Chile nach Argentinien zu kommen. Nach Internetrecherche haben wir beschlossen, nach Villa Belgrano zum Camping La Florida, zu Bettina und Ralf zu fahren, hier können wir ggf. auch das Fahrzeug abstellen und nach Hause fliegen.

Judith und Roland, die wir aus Uspallata kennen, sitzen mit Auflagen, Gesundheitskontrollen und keinen Ortswechsel, bereits fest. Wir versuchen auf kleinen Straßen die ca. 500 km nach Villa Belgrano zu fahren.

Nach ca. 170 km Fahrt übernachten wir in dem kleinen Ort Patquia.  Wir hatten gerade zu Abend gegessen, da kam zwei Autos, Policia und Bomberos, vorgefahren. Nachdem wir ihnen erklärt hatten, dass wir bereits seit September letzten Jahres in Südamerika unterwegs sind, haben sie unsere Pässe fotografiert und sich verabschiedet. Auf unseren Weg ist der nächste größere Ort Chepes, hier müssen wir einkaufen. Im Laden werden wir bereits von der Policia kontaktiert, draußen müssen wir wieder Pässe vorzeigen und unser Ziel Villa Belgrano wird protokolliert. Zwei Kilometer weiter, am Ortsausgang werden wir wieder von der Policia angehalten, die gleiche Prozedur. Weitere 40 Kilometer auf freier Strecke eine Polizeikontrolle. Das gleiche Spiel, Pässe kontrollieren, wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin, habt ihr Husten, Auswurf oder Fieber? Dann wurde noch der medizinische Dienst angerufen und musste bei uns Fieber messen. Wir fahren jeden Feldweg um die Orte herum, um nicht wieder in eine Kontrolle der Policia zu kommen. Wir kommen uns vor wie Verbrecher, verstehen aber auch die Angst der Behörden um die Ausbreitung des Virus. Bis Villa Belgrano sind es noch 235 km und ein Hindernis ist die Stadt Villa Dolores. Wir fahren die Stadt auf Nebenstraßen an, meist unbefestigte Sandpisten. Wegen einer Baustelle müssen wir doch durch die Innenstadt. Die Policia in der Stadt hat scheinbar andere Aufgaben als Touristen aufzugreifen. Über eine Nebenstrecke verlassen wir unbehelligt Villa Dolores. Wir fahren weiter auf kleinen Straßen, an Polizeikontrollen vorbei, in der Mittagszeit ist Siesta, da wird nicht kontrolliert.

Auf dem Camping La Florida angekommen berichtet Ralf, der Hausherr, von der Situation: es dürfen keine Ausländer aufgenommen werden, sonst wird der ganze Camping inkl. ihm und seiner Frau unter Quarantäne gestellt. Wir bekommen noch 150 Liter Wasser und Ralf entschuldigt sich mehrmals. Er gibt uns den Hinweis, wir sollen doch bei dem Medizinischen Dienst fragen, ob wir unsere Quarantänezeit von zwei Wochen auf dem Campingplatz absitzen dürfen. Dies wurde von der sehr energischen Ärztin abgelehnt. Jetzt gehen wir zur Policia und fragen, wo wir uns denn hinstellen dürfen? „Im Ort überhabt nicht“. Ein Einheimischer zeigt uns einen Platz 5 km außerhalb an einen Fluss. Da uns Ralf erzählt hat, dass er bereits Irmgard und Klaus mit ihrem MAN wegschicken musste, haben wir die Beiden angeschrieben. Sie sind auf dem Campingplatz Granja Ecologica Veilchental,  der Platz ist außerhalb des Ortes. Wir fahren gleich dort hin. Der Besitzer, ein Schweizer, nimmt uns ohne Probleme auf. Monika und Georg mit ihrem Toyota Land Cruzer, Irmgard und Klaus und wir, drei gestrandete Overlander, die darauf warten, dass die Grenze nach Uruguay wieder auf geht und wir dorthin immigrieren. In Uruguay darf das Fahrzeug ein Jahr im Land stehen bleiben, das sollte reichen, um den Corona-Wahnsinn Zuhause auszusitzen.

 

 

18.03.2020 - Campingplatz Granja Ecologica Veilchental

 

Das Wetter ist sehr gut, Sonnenschein 28° - 30°, wir, sechs Overlander, vertreiben uns die Zeit mit Wartungsarbeiten am Fahrzeug, Fahrzeug-Fachgespräche, lesen, Austausch von Erfahrungen über die bisherige Reise und Einkaufszettel für Rochee schreiben. Den Einkauf erledigt Rochee, der Campiplatzbetreiber, bis 14.04.2020 ist Ausgangssperre und Fahrverbot, nur eine Person darf Lebensmittel einkaufen.

Heute hat Georg Geburtstag, es sollte gegrillt werden. Doch das Wetter meint es nicht gut mit uns. In der Nacht ziehen Wolken auf und es regne, den ganzen Tag lang. Das Grillen wird durch ein kurzes Kaffeetrinken unter der Markise ersetzt. Paul und Maria, die Eltern unseres Campingplatzbetreibers Rochee, bringen uns Bücher selbstgemachten Slivowitz, Himbeer-Likör und Brot. Die Tage vergehen mal schnell, mal langsam, da unser Radius nur auf den Campingplatz beschränkt ist. Ein Highlight ist unser Pizzaessen am Freitag, unser französischer Bäcker Nikolas, macht nicht nur gute Baguettes sondern auch sehr gute Pizzas. In der zweiten Woche kommt Paul und bringt uns Care-Pakete; „ihr müsste wohl noch etwas bleiben die Ausgangssperre wird verlängert“. Die Care-Pakete pro Fahrzeug sind der Wahnsinn, 10 Brötchen, 4 Bratwürste, Spagetti, Tomatensoße, Parmesan-Käse, Reis, Kekse, Schokolade und eine Flasche Schnaps. Es könnte das Paradies sein, aber für Overlander gibt es nichts Schlimmeres als nicht reisen zu dürfen.