Ruta 7, Carretera Austral, Chile

 

Die Ruta 7 oder Carretera Austral ist eine der Traumstraßen der Erde. Sie führt von Puerto Montt über 1240 km nach Villa O’Higgins. Begonnen wurde mit der Straße in der Zeit der Pinochet Regierung, um die abgeschiedene Region im Süden Chiles zu erschließen. Wahrscheinlich aber um Soldaten schneller an die strittigen Abschnitte des Grenzverlaufs zwischen Chile und Argentinien zu bekommen. Viele Orte, die die Carretera Austral heute verbindet, konnten vor 30 Jahren nur mit dem Schiff erreicht werden. Entsprechend unberührt ist die Landschaft, durch die die Straße führt, vorbei an türkisfarbenen Seen und Flüssen, dichte Wälder, hohe Berge und Gletscher, eine atemberaubende Natur.

Wir haben die RN7 ab Cochrane, vom Paso Roballos kommend, nach Norden bereist.

Die landschaftlich schönsten Streckenabschnitte liegen unserer Meinung nach südlich von Cerro Castillo Richtung Villa O‘Higgens. Die letzten 450 km bis Villa O’Higgins sind teilweise gut befahrbare Piste. In kurvigen und bergigen Teilstücken, bedingt durch Bremsen und Beschleunigen, besteht die Carretera Austral aber aus übelster Wellblech-Piste. Allerdings bereuen wir es jetzt schon, dass wir die 230 km von Cochrane nach Villa O’Higgins nicht gefahren sind. Wir haben die Carretera Austral auf ca. 800 km von Cochrane bis Chaitén bereist. Da wir von Chaitén auf die Insel Chiloe übersetzen, erreichen wir Puerto Montt über die Ruta 5 oder „Carretera Panamericana en Chile“, wie die Straße auch offiziell heißt.

 

 

02.02.2020 – Chaitén

 

Chaitén, unsere vorerst letzte Station auf der Carretera Austral. Chaitén versank 2008 nach dem Ausbruch des gleichnamigen Vulkans unter einer Aschschicht. Der Ort wurde rechtzeitig evakuiert und nach Monaten im Exil von den Bewohnern wieder aufgebaut. Man kann noch zwei – drei alte Häuser aus der Entfernung sehen, der Bereich ist jetzt militärisches Gelände.

Chaitén hat selbst nicht viel zu bieten und bei Dauerregen schon gar nicht. Wir fahren nach Santa Barbara, hier gibt es einen schönen Strand. In einer Regenpause gehen wir raus und staunen nicht schlecht, als Einheimische Meerwasser in Galonen füllen. Auf unsere Frage, was man mit dem Wasser macht, kam prompt: „ trinken“. „Es ist sehr mineralhaltig und gesund“. Auch wenn es sehr sauber war, unseren Geschmack hat das Meerwasser nicht getroffen.

Nach drei Tagen Chaitén im Dauerregen, setzen wir heute mit der Fähre zur Insel Chiloé über.

Wir sind um 6:45 Uhr am Fähranleger, natürlich regnet es. Wir sitzen fast 2 Stunden im Auto, weil ein Monster-Wohnwagen nicht auf die Fähre kam.

 

 

06.02.2020 –  Insel Chiloé

 

Quellón, das Städtchen am Anfang/Ende der chilenischen Panamericana, der Ruta 5.

Die Originalrute der Panamericana führt nicht hierher; aber der Mythos hat eine gewisse Anziehungskraft.

Deshalb gibt es hier den Kilometer 0, den sogenannten „Hito Cero“, Chile. Man kann sich auch eine Urkunde ausstellen lassen, das man durch 12 Staaten von Anchorage in Alaska bis Quellón, 22.000 Kilometer und 3 „Américas“ (Süd, Mittel und Nord) durchquert hat.

Die Urkunde bekommt jeder, auch wenn man keinen Kilometer gefahren ist.

 

Wir fahren entlang der Küste durch kleine Fischerdörfer, u. a. Yaldad, Curané und Queilén, wandern und übernachten dort. In Yaldad staunen wir über die Kinder, die stundenlang bis abends im Meer baden. Es ist zwar Sommer und die Sonne scheint, es sind aber nur 13 Grad, ein kalter Wind aus Südwest und die Wassertemperatur beträgt ca. 10-12 Grad.

 

 

Queilén liegt besonders schön, mit sehr schönen Stränden. Von hier kann man die schneebedeckten Andengipfel sehen, einige von ihnen sind aktive Vulkane. Geld wird mit Algen und Fischfang verdient.

Die Algueras arbeiten zur Zeit Tag und Nacht. Die Algen sind vielseitig einsetzbar, Kleidung, Kosmetik und zur Treibstoffbeimischung.

 

Castro ist die größte Stadt auf Chiloe und berühmt für seine Palafitos (Stelzenhäuser), die direkt ins Wasser gebaut wurden. Meist von den Fischern bewohnt und da das Boot das wichtigste Fortbewegungsmittel ist,  kann das Boot unter dem Haus „geparkt“ werden. Das Stadtzentrum ist UNESCU-Weltkulturerbe.

 

 

Peninsula (Halbinsel) Gualpilinao erreichen wir über eine endlose Baustelle, die Piste führt direkt an der Küste entlang.

Hier finden wir einen sehr schönen Platz direkt am Strand. Am Abend, es ist Ebbe, kommen Muschel- und Algensammler. Wir bekommen gleich eine Tüte voll Muscheln, inklusive der Zubereitung.

Den ganzen Tag ziehen die Delphine in Sichtweite hin und her, machmal mit wilden Sprüngen. Robben gucken neugierig aus dem Wasser, einfach perfekte Tage.  Am dritten Tag fängt es an zu regnen und die nächsten Tage versprechen keine Besserung. Wir fahren weiter nach Norden.

 

Chacao ist der Fährhafen von Chiloé zum Festland. Vorher machen wir einen Abstecher nach Ancud, aber die Stadt gefällt uns nicht und wir fahren gleich nach Chacao. Chacao ist ein gemütliches kleines Fischerdörfchen.

 

 

 

13.02.2020 – Bariloche (Parque Nacional Nahuel-Huapi)

 

Auf unserem Weg nach Norden machen wir Halt in Ensenada am Llianquihue Lake. Am nächsten Tag regnet es aus einer tief hängenden Wolkendecke und der Wetterbericht verspricht keine Besserung. Wir fahren zum Vulkan Osorno, in der Hoffnung,  auf 1500 hm  über der Wolkendecke zu sein. Auf einer schmalen Straße schrauben wir uns in die Höhe. Oben angekommen, beträgt die Sichtweite 100 m.

Auf der Ostseite der Anden soll das Wetter besser sein. San Carlos de Bariloche mit dem Nationalpark Nahuel-Huapi ist das Ziel. Zum Xten-mal wechseln wir Grenze von Chile nach Argentinen oder anders herum.

Da kein frisches Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Wurst über die Grenze darf, muss alles gekocht/gebraten, gegessen oder gut versteckt sein. Dieses Prozedere kennen wir mittlerweile schon und können ohne Probleme weiter fahren.

Bariloche mit dem Lago Nahuel-Huapi empfängt uns mit Sonnenschein. Die Stadt (200.000 Einwohner) selber ist jetzt in der Hochsaison (Sommer auf der Südhalbkugel), voll mit Urlaubern. Wir quälen uns durch die Stadt zum Campinplatz Villa Maiten, direkt am See und genießen 2 Tage die Sonne. Der Nationalpark Nahuel-Huapi umfasst eine Gebirgs- und Seenlandschaft.  Das Herzstück ist der gleichnamige Gletschersee. Wir unternehmen eine Wanderung auf den Berg Llao Llao, von dem man eine tolle Aussicht hat. Oben angekommen, hängt ein großes Schild an einem Baum „Ende des Weges, geh zurück zum Wein“ (frei übersetzt). 

 

 

 

21.02.2020 – Neuquén

 

Neuquén ist die letzte Provinz im Norden, die zur Region Patagonien gehört. Der stetige Südwest Wind weht zwar noch, aber jetzt bereits deutlich wärmer. Unsere Route führt über den Paso Cordoba an den Lago Chimehuin mit dem Vulkan Lanín, 3776 m hoch. San Martín de los Andes, Junín de los Andes, Caviahue und Copahue sind weitere Stationen nach Norden.

San Martín am Lago Lacar auf 650 hm gelegen, ist ein Wintersportort; der allerdings auch im Sommer von Urlaubern stark frequentiert wird.

In Junín besuchen wir den Skulpturenpark Via Cristi.

Auf unserem Weg nach Norden fahren wir durch eine wunderschöne Gebirgslandschaft mit Aurecarien Bäumen nach Caviahue. Caviahue und Copahue ist ein vulkanisches Gebiet, an vielen Stellen sprudelt das heiße, schwefelhaltige Wasser aus der Erde. Copahue, ein Dorf auf etwa 2000 m Höhe, am gleichnamigen Vulkan gelegen. Hier kann man im großem Außenbecken des Termalbades im 38° heißen Wasser baden. 15 km entfernt gibt es einen wunderschönen Wasserfall, Salto del Agrio. Die Fallhöhe beträgt 147 m, beeindruckender allerdings sind die Farben.